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Schlepp- und Spinnfischen auf große Hechte.

Angeln auf Thunfische

Thunfische, das sind die echten Kämpfer der Meere! Ich hatte schon einige Yellofin-Thune in Kenia beim Schleppen gefangen und dadurch einen Vorgeschmack auf das bekommen, was mich an der Küste Jemens erwarten sollte.
Alljährlich folgen die Thunfische den grossen Sardinenschwärmen, die aus dem Indischen Ozean kommend, ihren Weg durch das Arabische Meer und an der Küste Jemens vorbei in Richtung Golf von Aden nehmen, um von dort aus weiter nördlich zu ziehen.
Der optimale Ausgangspunkt auf die Jagd der Muskelpakete war deshalb der Ort Al-Makulla im Jemen. Hier bezogen wir einen Bungalow, der zu einer Hotelanlage gehört und unmittelbar an der Küste lag. Mit leichten bis mittelschweren Gerät, darunter auch einigen Stand-Up-Ruten, wollten wir es hier versuchen. Der erste Tag, es war ca. 40° heiß, diente der Begrüßung und einer Einweisung durch den Campleiter. Der Rest des Tages war zum Relaxen vorgesehen.
Am folgenden Tag, vor Aufregung kaum geschlafen und mit mächtig viel Adrenalin im Blut, war es endlich soweit. Um 7:00 Uhr in der Frühe - es war ja schon lange hell - wurden die Geräte ins Boot geladen und noch schnell einige Köderfische (Sardinen) gefasst, dabei ständig den Blick auf die in der Ferne kreisenden Seevögel gerichtet.
Dort angekommen, sahen wir auch bereits die ersten Delfine, die gemeinsam mit den darunter schwimmenden Thunen, die Sardinen jagten. An Hand der Richtung die die Delfine nahmen, konnten wir abschätzen, wohin der Sardinenschwarm zog. Durch eine Abkürzung konnten wir uns mit dem Boot unmittelbar vor den nun auf uns zukommenden Sardinenschwarm legen. Sofort nahm ich eine leichte Rute, bestückt mit einer 10000er Abu-Ambassadeur und gefüllt mit einer dünnen geflochtenen Schnur, köderte eine Sardine an den 4/0er Haken und ließ sie in Richtung auf die uns zu schwimmenden Delfine treiben. Bereits wenige Minuten später pfiff die Leine mit einem Affenzahn von der Rolle. Ich wartete noch einen Augenblick, dann schloss ich mit einer Kurbeldrehung den Freilauf der Rolle - was ich besser gelassen hätte - und schon ging der Tanz los. Im Nu sauste der Thun senkrecht in die Tiefe. Die Bremse schon bis zum Anschlag, nahm er trotzdem immer mehr Geschwindigkeit auf, wobei ich nur noch wenige Wicklungen Schnur auf der Spule hatte und entsetzt den Spulenknoten sah. Das war Waaaahnsinn! 600 Meter Leine in Sekunden von der Rolle gefetzt, unglaublich. Das muss man erlebt haben!
Plötzlich und zu meinem Glück änderte er die Taktik. Er blieb stehen, ließ sich aber auch nicht hochpumpen. Das Spielchen dauerte jetzt schon über eine Stunde und ich hatte keinen Meter Leine zur¨ck gewinnen können, dafür lösten sich an der Rolle bereits die ersten Schrauben. Dann begann er vom Boot wegzuschwimmen, kam aber im flachen Winkel langsam hoch. In ca. 300 Meter Entfernung konnte ich ihn kurz an der Wasseroberfläche sehen. Wir nahmen Fahrt in diese Richtung auf und so bekam ich wieder Meter für Meter Schnur auf die Spule. Dann raste er - als hätte ich einen D-Zug an der Leine - wieder in die Tiefe und blieb, als ich abermals die Spulenachse sah, dort stehen. Die Rolle war inzwischen - das ist kein Scherz - glühend heiß geworden und verbrannte mir die Finger, deshalb kühlte der uns begleitende Campleiter sie ständig mit Wasser.
Früher hatte ich schon mal rumgesponnen und mir einen Drill gewünscht, der so gewaltig sein sollte, dass die Rolle heiß läuft, nun hatte ich ihn. Aber toll war das wirklich nicht und im Ernst, ich war drauf und dran, die Schnur zu kappen, wobei ich auch mein Angelzeug verschenken und nie wieder angeln gehen wollte.
Nicht nur damals am Lake-Turkana, sondern auch hier hatte ich das Gefühl, mit einem Gegner zu kämpfen, den ich mit diesem Gerät unmöglich bezwingen würde.
Die Delfine, die Thunfische und die schreienden Seevögel waren unterdessen schon lange mit dem Sardinenschwarm weitergezogen und wir waren mit dem Fisch die Einzigen in diesem Seegebiet. Still war es dadurch geworden. Nur ganz leise hörte man die kleinen Wellen gegen das dümpelnde Boot schlagen und ein gelegentliches Klicken der Rollen-Ratsche, was signalisierte, dass wieder etwas Schnur in die Tiefe verschwunden war. Kaum zu glauben, dass nach wie vor nur "er" den weiteren Verlauf des Geschehens bestimmte und dafür sorgte, dass Rutenspitze und Schnur eine senkrechte Einheit bildeten. Ein Wunder, dass zumindest die Schnur hielt - noch! Meine Kraft war schon lange am Ende. Deshalb legte ich hin und wieder die Rute, obwohl dabei die Gefahr eines Rutenbruchs bestand, auf der Kante der Bordwand ab.
Inzwischen waren 2 Stunden und 15 Minuten vergangen und die Situation war immer noch wie zu Beginn des Kampfes, schlimmer noch, es war heiß geworden, sehr heiß, ca. 40 Grad. Dazu war ich kraftlos und völlig am Ende. Die Hände mit Brandblasen übersät brannten wie Feuer. Schweiß und salziges Seewasser taten ihr Übriges.
Mir war es nun egal, ob die Schnur riss und der Fisch dadurch verloren ging, es musste ein Ende her, so oder so. Deshalb wollte ich jetzt eine Entscheidung und begann letztmalig und unter Mobilisierung meiner letzten Kräfte, den Fisch hochzupumpen, wobei die Rute unter der mächtigen Gegenwehr des Fisches ächzte und die Rolle begann, sich endgültig in ihre Bestandteile aufzulösen. Aber er kam jetzt endlich hoch, langsam, sehr langsam, Zentimeter für Zentimeter kam mit jeder Kurbeldrehung Schnur zurück auf die Rolle.
Dann war es geschafft. Nachweislich nach 2 Stunden und 55 Minuten war er im Boot, ein schöner Yellofin-Tuna, von ca. 38 kg!
Überglücklich aber völlig erschöpft hatte ich keine Lust mehr einen Zweiten zu fangen - zumindest nicht mehr an diesem Tag und mit diesem Gerät. Dafür gab es heute Freibier, alkoholfreies! Sorry, es gab kein anderes, nicht hier!
Natürlich hatten wir die gesamte Palette richtiger Geräte dabei und konnten an den darauf folgenden Tagen noch sehr, sehr viele und schöne Thunfische fangen. Mit dem richtigen Gerät macht Thunfischangeln Spaß, verlangt aber von einem das Allerletzte ab. Jeder der diese Boliden fangen will, sollte schon im Vorfeld der Planung wissen, dass es ein heißer Tanz auf Biegen und Brechen wird, der sich schon mal mehrere Stunden hinziehen kann und der Ausgang dabei ungewiss ist!
Irgendwann versuche ich es hier nochmal!
Aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, auch mal auf andere Fische zu angeln. Ich wollte unbedingt einmal einen der berüchtigten Piranhas fangen. Und welches Gewässer ist dafür besser geeignet als der Amazonas in Brasilien! Na, dann mal los!
Wenn ich mich nicht irre, haben wir die Reise bei "Andree's Angelreisen" gebucht!